„Wackeldackel, arroganter Zipfel und Duckmäuser“

OB-Kandidat Firsching und MdB Ernst teilten aus beim Politischen Aschermittwoch der Linken – und treffen den Nerv derer, die von Politik mehr erwarten als nur schöne Worte.

Vor Ort in: Schweinfurt
Politischer Aschermittwoch in Schweinfurt

Politischer Aschermittwoch in Schweinfurt mit Klaus Ernst und OB-Kandidat Frank Firsching

An den Tischen saßen sie eng an eng, auch die zusätzlichen Stühle waren alle besetzt: Über hundert Gäste aus Schweinfurt und der Region hörten in der Sportgaststätte des TV Oberndorf, wie Frank Firsching das Gemeinsame der Wahlprogramme von Schweinfurts CSU und SPD hervorhob: „Die haben den Tiefgang eines Schlauchboots“, sagte der OB-Kandidat der Linken.  Nach diesem ersten Treffer lud er gleich nach, als er von Ratsmitglied Karl-Heinz Knöchel nur noch als dem Wackeldackel sprach: „Er begründet in Sitzungen immer ellenlang, warum er eigentlich der Linksfraktion zustimmen müsste, nickt dann aber die Vorschläge von OB Remelés CSU ab wie ein Wackeldackel.“

Fürs Publikum traf Firsching den richtigen Ton zwischen Information aus dem Rathaus und deftiger Kritik an OB und Verwaltung. Die Posse um die zu hoch hängenden Urinale in einer Schule nahm er als Indiz dafür, dass Remelé nicht zuhöre, wenn die Linksfraktion etwas erkläre im Rat, den vorlauten Vorstoß aus der Verwaltung zur Zukunft der US-Liegenschaft Askren Manors nannte er als Beweis dafür, dass der OB die Verwaltung nicht im Griff habe. Und das Schweigen Remelés zum damals drohenden Verlust von 1000 Schaeffler-Arbeitsplätzen brachte er auf den Punkt: „Wir brauchen keinen OB, der auf Arbeitsplätze pfeift.“ Wer’s richten soll? Natürlich Firsching. Der Applaus war groß.

Nach kritisch-politischen Tönen der DGB Songgruppe krempelte MdB Klaus Ernst die rhetorischen Ärmel hoch. CSU-Verwandtenaffäre, Hoeneß-Steuervorwürfe („Den halt‘ i für an ganz arroganten Zipfel“) und andere christsoziale Zustände im Land waren Anlass für ihn zu fordern: „Großkopferte müssen endlich genau so behandelt werden wie alle anderen auch.“ Zu Florian Pronold brachte er in Erinnerung, dass der Sozialdemokrat mal in der SPD ein Mitgliederbegehren gegen die Agenda 2010 auf den Weg bringen wollte: „Dann ist er umgefallen – und heute Staatsekretär. So is des mit den Sozen“, polterte er unter Beifall. Das Verhalten von Merkel und dem zurückgetretenen damaligen CSU-Innenminister Friedrich in Sachen Abhörskandal verhöhnte er als „Duckmäuserei“: „Jetzt hängt die Bundesregierung den USA im Hintern bis zum Blinddarm.“

Fast drei Stunden dauerte die Aschermittwochsabrechnung, danach ging’s an den Tischen weiter. Ernst und Firsching hatten offensichtlich den Nerv derer getroffen, von Politik mehr erwarten als schöne Worte. Und schon jetzt meldeten sich schon viele an, um einen Sitzplatz zu ergattern für nächstes Jahr. Dann nämlich findet der Politische Aschermittwoch in Schweinfurt zum zehnten Mal statt.

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